Six Tips on Writing from John Steinbeck
Via: nevver.
12 Mar 2012 / Reblogged from nevver with 11,457 notes

Die Kälte trieb mich aus dem Auto und ich stapfte durch den Schnee. Ich war gegen meinen Willen hier und wollte die Sache so schnell wie möglich hinter mich bringen. Vor dem Eingang der Mehrzweckhalle zeichneten sich Silhouetten ab. Sie hatten sich hier zu einer kleinen Exklave zusammengefunden. Die Schatten waren vier Frauen, die Zigarettenqualm zwischen grellen Lippen hervorstießen. Ich stellte mich zu ihnen, obwohl ich Nichtraucher bin. Der Rauch und die menschliche Nähe würden mich wärmen.
«Das wird der Hammer», sagte eine der Rotlippen mit rauer Stimme. Alle nickten und zitterten, Qualm waberte durch die schneidend kalte Luft.
«In meinem Auto ist die Heizung kaputt», sagte ich in die Stille, «und die Scheiben sind dauernd beschlagen, ich bin quasi ohne Sicht gefahren.»
Meine klagenden Worte lösten keine Reaktionen aus, die Frauen wollten lieber über die bevorstehenden Kämpfe sprechen. Eine Weile hörte ich zu, musste mir aber schließlich eingestehen, dass mich das Gerede langweilte – dabei bin ich Journalist. Hustend ging ich rein, meine Schuhe waren voller Schneebrocken und meine Füße bereits feucht.
Eine recht attraktive Frau mit blonden Locken stand geschickt hantierend an der Garderobe und tauschte meinen Mantel gegen Getränkemarken ein.
«Im Krieg hatten wir die auch», behauptete ich, als ich mir die Marke genauer ansah.
Die Blonde ignorierte mich und kümmerte sich lieber um einen zurückgebliebenen Mann Mitte vierzig, der mit seinen Eltern da war. Durch die Brillengläser auf seiner knochigen Nase wirkten seine Augen in groteskem Ausmaß vergrößert; sein schütteres Haar hatte er unter eine graue Michael-Schumacher-Schirmmütze gestopft. Seine Eltern wollten ihren Sohn zur Eigenständigkeit ermutigen, deshalb hielten sie sich im Hintergrund. Ich schätzte sie auf Anfang hundert …
9 Mar 2012 / 0 notes
Mein persönliches Unglück entdeckte ich zu spät, dabei stand es schon auf dem Ticket: Seat 43C. Mir konnte jetzt nur noch eine göttliche Intervention helfen, eben ein schnelles Wunder. Doch nichts geschah, Gott war längst um die Ecke gebracht und das Universum machte einfach weiter wie bisher.
Seat 43C war ein Mittelplatz. Schlimmer ist eigentlich nur ein Totalausfall der Triebwerke – also der endgültige Aufprall auf die Erdkruste.
Wir waren in Madrid gestartet. Ich spreche kein Spanisch und die Dame am Check-In hatte mein Englisch nicht verstanden – oder es nicht verstehen wollen. Sie sollte mir nur einen Fensterplatz geben, doch das war nicht drin, die Sache war aussichtslos. Ich schluckte meinen Frust mit einem überteuerten Sandwich runter.
Es muss ein letzter Hauch von Verzweiflung gewesen sein, der mich später versuchen ließ, mit anderen Leidensgenossen ins Gespräch zu kommen. Vielleicht könnten wir eine Selbsthilfegruppe gründen oder wir würden eine blutige Revolte anzetteln, bis sie uns endlich geben würden, was wir wollten: Fensterplätze für alle, zumindest aber für mich!
Stattdessen befiel uns eine allgemeine Müdigkeit, als das Boarding begann. Heute würden keine Köpfe rollen.
Nun sitze ich also hier auf meinem Mittelplatz, wo ich die nächsten acht Stunden verbringen soll. Neben mir hört ein Spanier mit einem klobigen CD-Player Musik. Die Rhythmen hämmern auf seine Ohren ein, nervös zappelt er auf seinem herrlichen Fensterplatz herum, als würde er im Sitzen tanzen. Schließlich singt er sogar leise mit. Oder weint er? Sicherlich vor Freude!
Ein Absturz scheint mir nicht mehr als die große Tragödie. Aber natürlich stürzen wir nicht ab, so was passiert immer nur den anderen.
18 Feb 2012 / 0 notes
Won’t get much for my Nikon D50, though.
Via: tastefullyoffensive.
27 Jan 2012 / Reblogged from tastefullyoffensive with 1,725 notes
Therefore I Am on Flickr.
Und Zuhause müssen sich dann seine Freunde die Videoaufzeichnungen ansehen. Ich selbst habe schlimme Erinnerungen an solche Urlaubsfilme, die zumeist fürchterlich öde sind und Übelkeit auslösen, weil der Kameramann kein ruhiges Händchen hat. (Wegen des vielen Alkohols vielleicht auch. Im Urlaub sind viele ja ständig besoffen.)
23 Jan 2012 / 3 notes
Look Right on Flickr.
Aus dem Untergrund an die Oberfläche kommen, es ist halb neun am Morgen. Für die Finanzmänner, Bankiers und Sekretärinnen beginnt der Tag. Graue Anzüge, Bügelfalten und schwarze Schuhe. Prall gefüllte Aktentaschen und dampfender Kaffee in Pappbechern. Gemeinsam bei roter Ampel über die Straße hasten. Gestreifte Krawatten flattern unruhig im Wind. Es duftet gut, nach Aftershave und Parfüm. Die nächsten acht Stunden mit Millionen hantieren.
10 Jan 2012 / 0 notes